Wir trauern um Ralph Dreike

Geb. am 16. Juni 1922 in Augsburg – gest. am 17. Juli 2020 in Sunnyvale/Mountain View (Kalifornien/USA)

Ralph Dreike zu Besuch im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben, 2019 © JMAS

Ralph Dreike wurde 1922 als Rolf August Dreifuß in Augsburg geboren. Er war das einzige Kind von Amalie und Ludwig Dreifuß; sein Vater – ein angesehener Rechtsanwalt und Sozialdemokrat – war jüdisch, die Mutter katholisch. Nach der Machtübergabe an die NSDAP 1933 wurde Ludwig mehrfach verhaftet und die Familie Schikanen ausgesetzt. Obwohl Rolf getauft war und katholisch sozialisiert wurde, erfuhr er Anfeindungen in der Schule und wurde schließlich 1938 von dieser verwiesen. Seine Eltern entschieden sich daraufhin schweren Herzens, ihn in die USA in Sicherheit zu bringen.

Ein Verwandter von Ludwig, der in San Francisco lebte, bürgte für Rolf, so dass er 1938 in die USA ausreisen konnte. Dort kam er zunächst in ein jüdisches Waisenheim und lebte später bei einer katholischen Pflegefamilie. Nach dem Schulabschluss nahm Rolf 1940 ein Studium der Chemie auf und arbeitete nebenher als Schweißer in einer Werft in Oakland. 1943 wurde er zur US-Armee einberufen. Der Militärdienst qualifizierte ihn für die amerikanische Staatsbürgerschaft. Bei der Einbürgerung ließ er sich in Ralph Dreike umbenennen, weil er befürchtete, sein Name könnte im Falle einer Gefangennahme durch die Deutschen seine Herkunft verraten. Ralph wurde in der Armee zum Radiotechniker ausgebildet und im Pazifik eingesetzt.

Nach seiner Entlassung wurde Ralph Dreike 1948 in Augsburg mit seinen Eltern wiedervereint. Sein Vater hatte das Konzentrationslager Theresienstadt überlebt. Anschließend war Ludwig Dreifuß von den Alliierten 1945/46 zum Oberbürgermeister von Augsburg ernannt worden. Amalie und Ludwig blieben in Deutschland, während sich Ralph Dreike für ein Leben in den USA entschied. 1950 schloss er eine Ausbildung als Apotheker ab. 1952 heiratete er die aus Berlin stammende Ruth Mendel, deren Familie in 1930er Jahren ebenfalls aus Nazi-Deutschland geflohen war. Sie gründeten eine Familie und bekamen sechs Kinder. Ruth starb 2008.

Ralph Dreike mit Familie und Museumsdirektorin Dr. Barbara Staudinger in der Großen Synagoge Augsburg, 2019 © JMAS

Seiner Heimatstadt Augsburg blieb Ralph Dreike trotz der schmerzhaften Erfahrungen seiner Kindheit und der erzwungenen Trennung von den Eltern stets verbunden. Im August 2019 kam er mit seinen vier Töchtern und einer Enkelin zu einem letzten Besuch zurück. Bei einem Treffen im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben und im Augsburger Rathaus berichtete er von seinem bewegten Leben. Dem Archiv des Museums überließ er wertvolle Dokumente zur Familiengeschichte.

Wir werden Ralph Dreike stets ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Hier geht es zum Nachruf der Familie (auf Englisch).