LEBENSLINIEN 2.0: Die Zurückgewiesenen

Matinee zum Gedenken an das Novemberpogrom / 8. November 2020, 11.00 Uhr

Glücklichere Tage der Familie Schweitzer, die Vorfahr*innen von Sebastian Seidel, in Berlin 1927. Viele Familienmitglieder emigrierten in den 1930er Jahren vor den Nationalsozialisten, zahlreiche kehrten nach 1945 nach Deutschland zurück. © Archiv Schweitzer / Seidel

»Frühere deutsche Staatsangehörige, denen zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 8. Mai 1945 die Staatsangehörigkeit aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen entzogen worden ist, und ihre Abkömmlinge sind auf Antrag wieder einzubürgern.«

So lautet Artikel 116 des deutschen Grundgesetzes. Zwar ist der Wille des Gesetzgebers deutlich ausgedrückt, in der Praxis wurden und werden jedoch viele Anträge abgelehnt – mit Begründungen, die an die NS-Zeit erinnern. Sei es, weil die Eltern angeblich freiwillig Deutschland verließen, sei es, dass nur die Mutter, nicht jedoch der Vater deutscher Staatsbürger war. Viele Nachfahr*innen kämpfen bis heute um Zuerkennung der Deutschen Staatsbürgerschaft.

Bei der Matinee wird ein*e geladene*r Expert*in im Gespräch mit Museumsdirektorin Barbara Staudinger und Theaterleiter Sebastian Seidel von den Schwierigkeiten und Kämpfen auf dem Weg zur rechtlich zustehenden Staatsbürgerschaft berichten.

Die Augsburger Regisseurin und Schauspielerin Daniela Nering wird aus behördlicher Korrespondenz lesen und damit konkrete Beispiele aufzeigen. Für die musikalische Umrahmung sorgt Cellist Dominik Uhrmacher.

Zudem wird bei der Matinee der soeben erschienene neunte Band zu den LEBENSLINIEN der Öffentlichkeit vorgestellt. Er dokumentiert die Geschichten der Augsburger Familien Dann (eine Nachfahrin war bei der Matinee 2003 zu Gast), Epstein/Fechenbach (2004) und Herz (2005) sowie der Berliner Familie Schweitzer/Seidel (2002 und 2008). Mit diesem Katalog sind nun alle noch fehlenden Familiengeschichten der LEBENSLINIEN von 2002 bis 2008 wissenschaftlich aufgearbeitet. Die somit abgeschlossene Dokumentation ist ein bedeutender Baustein innerhalb der Augsburger Erinnerungskultur.

Seit 2019 wird die Reihe vom Jüdischen Museum Augsburg Schwaben und dem Sensemble Theater als LEBENSLINIEN 2.0 fortgesetzt und fokussiert nun auf die zweite und dritte Generation.

eine Veranstaltung des Jüdischen Museums Augsburg Schwaben und des Sensemble Theaters

 

Ort: Sensemble Theater, Bergmühlstraße 34, 86153 Augsburg

Eintritt: 5,00 / 3,00 Euro

Tickets: online unter: www.sensemble.de; im Sensemble zu den Kassenöffnungszeiten; Restkarten an der Tageskasse

Hinweise: Aufgrund der noch geltenden Bestimmungen bzgl. der Corona-Pandemie sind die Plätze für die Matinee begrenzt. Wir bitten darum, die Tickets im Vorfeld zu kaufen und die allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten.