Störfaktor Jüdische Museen. Konflikte um die Deutungshoheit jüdischer Geschichte und Kultur in Jüdischen Museen der Nachkriegszeit

Podiumsdiskussion im Jüdischen Museum Franken, Fürth / 1. Dezember 2019, 16.00 – 18.00 Uhr

Veranstaltungsreihe Jüdische Museen heute/morgen der Jüdischen Museen Augsburg, Berlin, Franken, Frankfurt, Hohenems und München sowie dem NS-Dokumentationszentrum München, dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg, und der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg

Was bedeutet das Wort „jüdisch“ im Namen eines Museums, das nicht von der jüdischen Gemeinschaft, sondern von der öffentlichen Hand finanziert wird? Was versteht eine Forschungseinrichtung unter jüdischer Kulturgeschichte? Welche Erwartungen gibt es von Seiten der Öffentlichkeit an Einrichtungen, die sich mit jüdischer Geschichte und Kultur beschäftigen? Und mit welchen Herausforderungen sehen sie sich angesichts der politischen Veränderungen in Europa konfrontiert?

Museen sind dem Gedächtnis eines bestimmten Raums, öffentliche Forschungseinrichtungen den Werten der europäischen Aufklärung verpflichtet. Beide werden zum Schauplatz von Konflikten, wenn sie sich den gesellschaftspolitischen Veränderungen der Gegenwart zuwenden, die Diversität europäischer Gesellschaften, die Popularität völkischen Denkens sowie die Zunahme gewalttätigen Sprechens und Handelns adressieren. Das gilt insbesondere für Jüdische Museen in einem Europa, dessen zentrifugale Kräfte mehr denn je partikulare Identitäten beschwören.

Mit der zunehmenden Brisanz der Themen von Jüdischen Museen und Forschungseinrichtungen zur jüdischen Kulturgeschichte, dem spannungsreichen Verhältnis zwischen Judentum, Christentum und Islam sowie dem steigenden Antisemitismus und Rassismus in Europa, wächst auch der politische Druck. In osteuropäischen Ländern wie etwa Polen und Europa hat er längst manifeste Formen angenommen und zur Gründung neuer Museen und alternativer Forschungsinstitute geführt, die den Perspektiven der jeweiligen nationalen Geschichtspolitik entsprechen. Nun macht er sich auch in Deutschland bemerkbar und droht, die Unabhängigkeit und Funktion der Institutionen als kulturelle und wissenschaftliche Diskursorte in Frage zu stellen.

Mit Daniela F. Eisenstein, Dr. Felicitas Heimann-Jelinek, Dr. Hanno Loewy, Bernhard Purin, Prof. Dr. Mirjam Wenzel, Prof. Dr. Michael Wolfssohn.

 

Ort: Jüdischen Museum Franken, Fürth

Eintritt: frei